Bereits Ende Juni warnte der SFV vor einer aussergewöhnlich kritischen Situation. Nach einem sehr trockenen Frühjahr, seit Monaten tiefen Grundwasserständen und anhaltend geringen Abflüssen erreichten zahlreiche Bäche und Flüsse schon zu Beginn des Sommers kritische Temperaturen. Besonders betroffen sind kältebedürftige Arten wie Äsche und Forelle sowie weitere Arten kleiner und kühler Fliessgewässer wie Groppe und Elritze. Mit steigender Wassertemperatur nimmt der Sauerstoffgehalt des Wassers ab, während gleichzeitig der Sauerstoffbedarf der Fische steigt. Ab rund 20 °C geraten Forellen und Äschen unter erheblichen Stress, oberhalb von 23 °C wird die Situation kritisch und bei länger anhaltenden Temperaturen von 25 °C oder mehr sterben die Fische. Die Situation wird durch die Kombination von hohen Wassertemperaturen und Wassermangel zusätzlich verschärft. Kleine Fliessgewässer trocknen teilweise aus und geeignete Kaltwasser- und Rückzugsräume fehlen.

Notabfischungen können in akuten Situationen einzelne Bestände retten, sind jedoch keine langfristige Lösung. Für den Erhalt der Fischbestände sind Revitalisierungen zu beschleunigen, Kaltwasser- und Rückzugsräume zu erhalten und zu schaffen sowie die Vernetzung der Lebensräume zu verbessern. In kritischen Situationen müssen zudem Wasserentnahmen aus sensiblen Fliessgewässern frühzeitig eingeschränkt werden.

Der Kanton Zürich verfügt mit dem «Fischereimanagement 26+» über eine aktuelle strategische Grundlage für die Fischerei. Auch das kantonale Merkblatt «Trockenheit – Notfallmassnahmen am und im Gewässer» sieht verschiedene Massnahmen zum Schutz der Fischbestände während Hitze- und Trockenperioden vor. Diese Grundlagen sind zu begrüssen.

Durch die Klimakrise werden sich die Nutzungskonflikte um die Ressource Wasser in den kommenden Jahren verschärfen. Aufgrund der Trockenheit wurde die befristete Möglichkeiten zur landwirtschaftlichen Notbewässerung für Kulturen zur direkten menschlichen Ernährung zugelassen. Damit stellt sich zunehmend die Frage, wie bei langanhaltender Trockenheit die Bedürfnisse von Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft und Gewerbe mit den ökologisch notwendigen Abflussmengen und dem Schutz der Gewässerlebensräume in Einklang gebracht und priorisiert werden.Der übergeordnete «Massnahmenplan Wasser» des Kantons Zürich stammt aus dem Jahr 2012. Seither haben ausgeprägte Hitze- und Trockenperioden in den Jahren 2015, 2018, 2022 und 2026 die Verletzlichkeit der Gewässer und ihrer Fischbestände deutlich aufgezeigt. Der Druck für zusätzliche entnahmen aus Oberflächengewässern nimmt zu. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die bestehenden strategischen Grundlagen und Instrumente noch ausreichen oder ob der Massnahmenplan Wasser an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst werden muss.

Anfrage