Ein historischer Entscheid

Was in den 1970er-Jahren als Symbol des Fortschritts galt, wird heute neu beurteilt. Mit der geplanten Abklassierung der A50 bei Glattfelden eröffnet sich die Möglichkeit, eine überdimensionierte Strasseninfrastruktur an die heutigen Bedürfnisse anzupassen.

Die A50 war ursprünglich als Teil einer Autobahnverbindung zwischen Winterthur und Basel geplant. Dieses Vorhaben wurde jedoch nie vollendet. Geblieben ist eine vierspurige Strasse mit Pannenstreifen, die heute ausschliesslich als Umfahrung von Glattfelden dient. Mit rund 13’000 Fahrzeugen pro Tag ist sie für ihre Funktion deutlich überdimensioniert.

Mehr Raum für Natur und Landwirtschaft

Der Rückbau schafft die Möglichkeit, wertvolle Flächen zurückzugewinnen. Wo heute Asphalt liegt, können neue Magerwiesen und andere ökologische Ausgleichsflächen entstehen. Gleichzeitig lassen sich zusätzliche Fruchtfolgeflächen schaffen – ein Gewinn sowohl für die Biodiversität als auch für die Landwirtschaft.

Ein solcher Rückbau spart zudem langfristig Unterhaltskosten und zeigt, dass sich Verkehrsinfrastruktur den tatsächlichen Bedürfnissen anpassen lässt. Nicht immer braucht es neue Strassen – manchmal ist weniger Infrastruktur die bessere Lösung.

Verpasste Chance für den Veloverkehr?

Bedauerlich ist, dass die Idee, die freiwerdenden Fahrspuren auf der bestehenden Brücke für eine neue Veloverbindung zu nutzen, von der Verwaltung verworfen wurde. Begründet wurde dies mit dem bereits dichten Velowegnetz in der Region.

Aus meiner Sicht wäre dies eine einmalige Gelegenheit gewesen, bestehende Infrastruktur sinnvoll weiterzuverwenden und das regionale Velonetz ohne zusätzliche Brückenbauten zu ergänzen. Ich bin gespannt, welche Nutzung für die freiwerdenden Fahrspuren letztlich vorgeschlagen wird. Klar ist: Diese wertvolle Infrastruktur sollte auch künftig einen Mehrwert für die Bevölkerung schaffen.

Mein Votum im Kantonsrat als Zweitsprecher der Grünen

Geschätzte Frau Präsidentin, geschätzte Damen und Herren

Als Vertreter des Zürcher Unterlands und ehemaliger Glattfelder möchte ich mich kurz zu diesem Geschäft äussern.

Ich kann mich noch an die Eröffnung der Umfahrung Glattfelden im Jahr 1978 erinnern. Das ganze Dorf war am grossen Fest dabei. Die Stimmung war euphorisch. Der Autobahnbau galt damals als Symbol für Fortschritt und Zukunft.

In den 1960er- und 1970er-Jahren plante man Grosses. Entlang des Rheins sollte dereinst eine leistungsfähige Autobahnverbindung zwischen Winterthur und Basel entstehen. Die heutige A50 war als Teil dieses Netzes vorgesehen. Realisiert wurde letztlich aber nur dieser kurze Abschnitt bei Glattfelden.

Für manche Menschen hatte der Bau einschneidende Folgen. Der Hof von Walter Spühler wurde durch die Autobahn stark beeinträchtigt. Wenige Jahre später wanderte seine Familie deshalb nach Kanada aus.

Heute, fast fünfzig Jahre später, zeigt sich ein völlig anderes Bild. Die A50 dient ausschliesslich als Dorfumfahrung. Mit rund 13’000 Fahrzeugen pro Tag ist sie für eine vierspurige Autobahn mit Pannenstreifen deutlich überdimensioniert. Zum Vergleich: Auf der A51 zwischen Bülach und dem Flughafen verkehren rund 40’000 Fahrzeuge täglich. Mitten durch Bülach verkehren 16’000 und durch Embrach fast 19’000 Fahrtzeuge täglich, auf 2-spurigen Dorf Durchfahrten.

Eine derart breite Infrastruktur wie die A50 verursacht hohe Unterhaltskosten, ohne dass sie je einen entsprechenden Nutzen gebracht hätte. Mit dem Rückbau biete sich die Chance Kosten zu senken, wertvolle ökologische Ausgleichflächen in einem Gebiet mit höchstem Potential an Magerwiesen anlegen zu können und zusätzliche Fruchtfolgeflächen zu schaffen.

Lassen Sie uns diese Chance nutzen und dem Rückbau zustimmen. Vielen Dank

In den Medien

NZZ

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